
Arbeitsproduktivität
Die Serie zu Kennzahlen für Gartenbaubetriebe widmet sich ab dieser Ausgabe wichtigen Produktivitätskennzahlen. Im ersten Beitrag geht es um die Arbeitsproduktivität, welcher im Gartenbau, aber auch in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft, eine besondere Bedeutung zukommt.
von Tim Hakenberg erschienen am 11.11.2025Eine Möglichkeit, sich den Herausforderungen von Fachkräftemangel und demografischen Wandel zu stellen ist, die Arbeitsproduktivität im Unternehmen zu erhöhen. Diese ist auch vor dem Hintergrund kontinuierlich steigender Lohnkosten zu betrachten. Da steigende Aufwendungen meist nicht zu 100 % über höhere Preise an die Kunden weitergeben werden können, sind Unternehmen gezwungen, durch Innovationen in Produkte oder Prozesse die Produktivität ihrer Mitarbeiter stetig zu erhöhen. Welche Hinweise sich hierzu aus dem Betriebsvergleich des Zentrums für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) ziehen lassen, soll ebenfalls in diesem Artikel behandelt werden. Zunächst soll jedoch die Produktivität im Allgemeinen und die Arbeitsproduktivität im Speziellen genauer definiert werden.
Allgemein beschreiben Produktivitätskennzahlen das Verhältnis von einem Produktionsergebnis (Output) zu einem an seiner Erstellung beteiligten Produktionsmittel (Input). Bei Kennzahlen zur Arbeitsproduktivität wird die eingesetzte Arbeitskraft – gemessen in Vollzeit-Arbeitskrafteinheiten – als Input betrachtet. In Abhängigkeit vom definierten Produktionsergebnis können nun unterschiedliche Arbeitsproduktivitäten berechnet werden. Im Gartenbau wird dazu zum einen eine Bruttoarbeitsproduktivität berechnet, bei welcher der Betriebsertrag ins Verhältnis zu den eingesetzten Arbeitskräften gesetzt wird. Zum anderen kann eine Nettoarbeitsproduktivität berechnet werden, bei welcher das erwirtschaftete Betriebseinkommen (Betriebsertrag abzüglich Sachaufwand) als Produktionsergebnis herangezogen wird.
Ein Schlüssel liegt in Investitionen in die Mechanisierung Tim Hakenberg
Ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Betrieben auf Basis der Bruttoarbeitsproduktivität gestaltet sich schwierig, da diese Kennzahl unter anderem in einem hohen Maße von der Produktionsweise abhängt. So wird zum Beispiel ein Betrieb mit einer eigenen Anzucht von Jungpflanzen eine andere Bruttoarbeitsproduktivität aufweisen als ein Betrieb, der hauptsächlich Rohware zukauft. Die Nettoarbeitsproduktivität kann im genannten Beispiel trotzdem ein vergleichbares Niveau erreichen.
Erfolg messen
Die Bedeutung der Kennzahl Betriebseinkommen je Arbeitskraft (AK) wird auch aus dem Betriebsvergleich des ZBG ersichtlich. Sie steht in einem sehr engen Verhältnis zu anderen Erfolgskennzahlen wie zum Beispiel dem Wertschöpfungskoeffizienten (WSK), welcher ein Maß für die Rentabilität von Betrieben ist. Ein WSK von >= 1 zeigt an, dass ein Betrieb rentabel wirtschaften kann. In der nachfolgenden Grafik ist der Wertschöpfungskoeffizient in Abhängigkeit des Betriebseinkommens je AK von 62 Gemüsebaubetrieben dargestellt, die ihre Abschlüsse für das Jahr 2022 bzw. 2022/23 beim ZBG eingereicht haben. Mit einem Anstieg der Arbeitsproduktivität nimmt auch die Rentabilität der teilnehmenden Betriebe zu. Aufgrund dieser großen Bedeutung der Nettoarbeitsproduktivität wird beim Betriebsvergleich des ZBG das Betriebseinkommen je AK als Kennzahl verwendet, um die Betriebe nach Erfolg zu gruppieren.
Den Daten der zweiten Grafik liegt dieselbe Gruppe von Betrieben zugrunde, die bereits in der vorherigen Grafik dargestellt worden ist. Im Jahr 2022/23 konnten im Mittel 28 Freilandgemüsebaubetriebe ein Betriebseinkommen je AK von rund 44.300 Euro und 34 Unterglasgemüsebaubetriebe von circa 40.750 Euro erwirtschaften. Im Freiland ist bei dieser Kennzahl eine deutlich größere Spanne zwischen dem ersten und dritten Erfolgsdrittel sichtbar (77.000 zu 25.000 Euro) als unter Glas (58.000 zu 28.300 Euro). Das Betriebseinkommen, das eine Arbeitskraft erwirtschaftet, steht für deren Entlohnung zur Verfügung. Darüber hinaus müssen daraus aber auch noch die Verzinsung für das eingesetzte Kapital und gegebenenfalls ein Unternehmerlohn abgegolten werden. Beim erfolgreichsten Drittel sowie im Mittelwert übersteigt das Betriebseinkommen die durchschnittliche Entlohnung je Fremd-AK wie dargestellt. Es wird ersichtlich, dass die erfolgreichsten Betriebe beider Sparten mit durchschnittlich etwa 35.000 Euro die höchsten Löhne zahlen (können). Im Mittel beläuft sich die durchschnittliche Entlohnung auf 32.500 Euro.
Bei den Betrieben mit der geringsten Arbeitsproduktivität im Freiland ist das Betriebseinkommen mit 25.000 Euro je AK deutlich niedriger als die durchschnittliche Entlohnung von 31.100 Euro je Fremd-AK. Daraus folgt, dass bei diesen Betrieben zu wenig für die Entlohnung der Unternehmerfamilie, geschweige denn für die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, übrigbleibt. Diese Schlussfolgerung kann auch beim dritten Drittel des Unterglasgemüsebaus getroffen werden, auch wenn die Zahlen hier noch leicht positiv ausfallen.
Mechanisierung macht den Unterschied
Die entscheidende Frage, die zumindest zu einem Teil mithilfe des Betriebsvergleichs beantwortet werden kann, ist: Was machen die erfolgreichen Betriebe anders? Einen wichtigen Hinweis gibt die Kennzahl „Maschinen und Fuhrpark je AK“. Durch sie wird beschrieben, wie viel Kapital in Maschinen und dem Fuhrpark gebunden ist und kann als ein Indikator für die Mechanisierung und Automatisierung in einem Betrieb angesehen werden. Die Ergebnisse des Betriebsvergleichs zeigen, dass in erfolgreichen Betrieben beider Sparten im Vergleich mit den unteren Dritteln mehr als doppelt so viel Kapital je AK in diesen Bereich investiert wurde (etwa 29.000 zu etwa 13.000 Euro).
Im Unterglasgemüsebau liegt der Mittelwert dieser Kennzahl deutlich höher, da einzelne große Betriebe einen starken Einfluss auf den Mittelwert haben und die Mechanisierung eines Betriebs zwar einen wichtigen Erfolgsfaktor, einzeln betrachtet aber keine Erfolgsgarantie darstellt. Bei Produktionsbetrieben gibt es oft einen Zusammenhang zwischen der Arbeitsproduktivität und den je Flächeneinheit eingesetzten Arbeitskräften. In der Regel benötigen die Betriebe mit einer hohen Arbeitsproduktivität durch gezielte Investitionen in Mechanisierung deutlich weniger Mitarbeiter pro Fläche.
Ein Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft liegt also in Investitionen in die Mechanisierung. Ein moderner Fuhrpark und Maschinen, die auf dem aktuellen Stand der Technik sind, können zum einen die Produktivität der Mitarbeiter erhöhen, wodurch auch steigende Löhne verkraftet werden können, zum anderen können durch diese Investitionen zukünftig auch Arbeitsplätze eingespart werden. Vor einer Investition sollte aber zunächst einmal die aktuelle Arbeitsproduktivität im Unternehmen gemessen und im Vergleich zu ähnlichen Betrieben beurteilt werden. Eine einfache Methode hierfür stellt der Betriebsvergleich des ZBG dar. Neben der Arbeitsproduktivität werden auch wichtige Kennzahlen zur Liquidität und zur Kapitalausstattung des Unternehmens errechnet, welche hervorragend für Kreditverhandlungen bei der Bank verwendet werden können.
Der Betriebsvergleich im Gartenbau bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich mit gleichartigen Betrieben zu vergleichen und Optimierungspotenziale aufzuzeigen, um den eigenen Erfolg zu steigern. Weitere Details sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie auf der Homepage des ZBG:
https://zbg.uni-hohenheim.de/betriebsvergleich
Für eine direkte Teilnahme besuchen Sie:





















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