
Salat am Limit – wenn die Köpfe hängen
Wasser – ist es im Bestand zu trocken, hängen die Köpfe, und zwar nicht nur beim Gemüse, sondern in der Folge auch beim Gärtner. Die allermeisten Betriebe müssen sich diesem Thema mehr denn je stellen und auch in Zukunft wird Wasser aller Wahrscheinlichkeit nach, ein zentrales Thema im Anbau bleiben.
von Sabine Reinisch erschienen am 29.08.2025Prognosen zufolge steigt der Bewässerungsbedarf in Folge des Klimawandels vielerorts kontinuierlich. Es kommt immer häufiger zu langen Trockenperioden. Zurückgehende Wasserressourcen machen eine effiziente Wassernutzung selbst im Frühjahr im Gewächshaus mittelfristig unumgänglich. Die Möglichkeiten damit umzugehen reichen von wassersparender Technik, über intelligente Steuerung bis hin zur Wahl eines für den Betrieb geeigneten, nachhaltigen Anbausystems. Im Anbau tritt neben den bereits genannten Aspekten auch das Thema Sorten vermehrt an den Tag. Denn mit Blick auf diese Herausforderung können trockenstresstolerante Sorten ein weiteres Tool im Werkzeugkoffer des wassersparenden Gärtners sein.
Auch die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg widmet sich dem Thema Bewässerung in vielerlei Hinsicht. Bereits 2021 wurde das Wassereinsparungspotenzial der Hydroponik, dem an sich schon nachhaltigen ökologischen Anbau gegenübergestellt. Infolgedessen wurden neben entsprechender Technik und passenden Steuerungsmöglichkeiten in den Frühjahren 2022 und 2023 sieben unterschiedliche Salatsorten in unterschiedlichen Trockenstressbedingungen im Folienhaus unter ökologischen Anbaubedingungen verglichen. Erfasst wurden nicht nur der tatsächliche Wasserverbrauch, sondern auch die jeweils durchschnittlich zu erzielenden Erträge, sowie die Unterschiede zwischen den Sorten hinsichtlich Frischgewicht, marktfähigem Ertrag und Stresstoleranz oder Schäden.
Trockenstressversuch 2022 und 2023
Die versuchstechnischen Rahmenbedingungen wurden in beiden Versuchsjahren weitgehend identisch gehalten. Frühjahrsanbau, gleiche Sorten, gleiche Bewässerungstechnik, gleiche Bewässerungsvarianten und gleiche Kultivierungsdauer. Geprüft wurden in beiden Jahren unter anderem fünf Bataviasalat-Sorten. Hinsichtlich der Wasserversorgung wurden die Sorten vier verschiedenen Bewässerungsvarianten über Tröpfchenbewässerung ausgesetzt. Orientierung für die Steuerung der Varianten gaben im Bestand verbaute Tensiometer und weitere Sensoren.
In Variante 1 (V1) wurden die Salate nach Saugspannungsoptimum bewässert. Das heißt, wurden bei den Tensiometern 120 hPa im Durchschnitt überschritten, erfolgte ein Bewässerungsgang für diese Variante. Variante 2 (V2) war eine über den Gießvorgang reduzierte Variante von V1. Hier bekamen die Salate nur bei jedem zweiten Gießvorgang von V1 ebenfalls Wasser. Variante 3 (V3) orientierte sich wiederum an den Tensiometern. Gegossen wurden die Salate erst ab einer Saugspannung von 250 hPa. Variante 4 (V4) war eine Variante unter Extrembedingungen. Die Pflanzen erhielten nur Wasser bei deutlichen visuellen Trockenstressanzeichen, also bei Schlappen der Pflanzen.
Was sich in den Versuchsjahren deutlich unterschied, waren die Temperaturen und Sonnenstunden. Während es im Anbauzeitraum 2022 insgesamt wärmer war, war das Frühjahr 2023 durch eher kühlere Witterung und weniger Sonnenstunden gekennzeichnet. Dies führte im Anbaujahr 2023 zu insgesamt geringeren Erträgen und größeren Ertragsschwankungen. Vergleicht man die Batavia-Sorten lag in der optimal bewässerten Variante (V1: 120 hPa) der durchschnittliche Frischmasseertrag bei 597 g je Kopf im Jahr 2022, während im Jahr 2023 das gemittelte Frischmassegewicht bei 444 g pro Kopf lag. Das entspricht relativ circa 75 % des Kopfgewichtes aus dem Anbaujahr 2022.
Vergleicht man den Wasserverbrauch im Jahr 2023 liegt dieser bei knapp 71,5 % gegenüber 2022 und kann damit das insgesamt geringere Ertragsniveau erklären. Höhere Wassergaben wären jedoch im kühleren Anbaujahr nicht zielführend gewesen, da mit Vernässung des Bodens, Versickerung und mit vermehrtem Schaderregerdruck zu rechnen gewesen wäre. Dementsprechend kann der geringere Ertrag ebenso auf die kühle Witterung mit wenig Licht und die damit einhergehenden Bodenverhältnisse zurückgeführt werden.
Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass im Mittel der Sorten bei der optimal versorgten V1-Variante, in beiden Anbaujahren etwa 13,5 bis 14 Liter Wasser für die Erzeugung von einem Kilo Frischmasse benötigt wurden. In den bewässerungsreduzierten Varianten wurde im Jahr 2023 tendenziell mehr Wasser pro Kilogramm Frischmasse benötigt als im wärmeren Anbaujahr 2022. Gleichzeitig war die Ertragsdifferenz zwischen den Sorten und innerhalb der Bewässerungsvarianten im Frühjahr 2023 nicht so stark ausgeprägt wie im Vorjahr. Insgesamt zeigten jedoch beide Versuchsjahre in den Varianten V2 und V3, dass mit etwa 50 % der üblichen Wassermenge (V1) zwischen 70 und 90 % des Frischmasseertrags im Sortenmittel des geschützten Salatanbaus erzielt werden konnten.
Deutliche Ertragseinbußen gab es wiederum in der Variante 4 (Bewässerung bei Schlappen der Pflanzen). Hier wurden 6 % (2022) und 12 % (2023) des üblichen Wasserbedarfs im Vergleich zum Optimum gegossen. Daher fiel auch der Frischmasseertrag in beiden Jahren auf etwa 45 % ab, im Vergleich zur optimal bewässerten Variante 1. Nichtsdestotrotz konnte auch in dieser Variante gesunde und nach EU-Normen marktfähige Ware geerntet werden – auch wenn diese hinsichtlich ihres Kopfgewichtes gegebenenfalls nicht den Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels oder Großmarktes entspricht.
Sorten reagieren gleich und doch unterschiedlich
Der Anteil der marktfähigen Erträge, also der geputzten Köpfe lag in allen Varianten bei etwa 90 % gegenüber dem Frischmasseertrag. Große Unterschiede zwischen den Bewässerungsvarianten konnten hier im relativen Vergleich nicht ausgemacht werden. Betrachtet man die einzelnen Sorten, lassen sich jedoch durchaus Unterschiede verzeichnen.
Die grüne, eher großfallende Batavia-Sorte ‘Feraga’ (EZ) konnte in beiden Anbaujahren und in allen Varianten mit den höchsten Frischmasseerträgen überzeugen. Allerdings reagierte ‘Feraga’ (EZ) auch am stärksten auf die veränderten Umweltfaktoren im Jahr 2023, also weniger Licht, geringere Temperatur und damit einhergehender geringerer Bewässerung. Einzelne zu wenig entwickelte Pflanzen, Fäulnis und Blattränder traten insbesondere in der Variante 3 (250 hPa) auf. Die Köpfe mussten entsprechend stärker ausgeputzt werden.
Die rot-grüne Sorte ‘Clarinski’ (RZ) hingegen erreichte im Vergleich zu ‘Feraga’ (EZ) und den weiteren Sorten eher niedrige Erträge, war jedoch durchweg gesund und reagierte nicht so stark auf die sich ändernden Umweltbedingungen wie Licht, Temperatur und entsprechend weniger Wasser. Ebenso stellte sich die grün-rote Sorte ‘Sarragossa’ (Bi) dar – durchgehend gesund und ohne auffallende Reaktionen durch die sich ändernde Umweltbedingungen.
‘Maravilla de Verano’ (Bi) war hinsichtlich des Frischmasseertrags im kühleren Anbaujahr 2023 mit ‘Sarragossa’ (Bi) zu vergleichen. Im wärmeren Anbaujahr 2022 erzielte sie in Variante 1 und 2 jeweils die höchsten Erträge nach ‘Feraga’ (EZ), reagierte in diesen Varianten jedoch vermehrt mit Blatträndern. Die grüne Sorte ‘Nolanie’ (RZ) lag ertragstechnisch in den meisten Fällen im Mittelfeld und reagierte in den Varianten 1 und 2 ähnlich sensibel auf die kühleren und lichtärmeren Umweltbedingungen wie ‘Maravilla de Verano’ (Bi).
Wie die Salate reagieren, ist zum einen von den Sorteneigenschaften und in diesem Zusammenhang zum anderen stark von den Umweltbedingungen abhängig. Während einige Sorten kaum auf veränderte Temperaturen und Lichteinfluss hinsichtlich Pflanzengesundheit und Ertrag reagieren, verhalten sich andere Sorten eher empfindlich. Dementsprechend bietet es sich an, diese Effekte ein wenig abzupuffern und auf mehrere Sorten zu setzen. Denn im Mittel der Sorten reagieren die Salate insgesamt ähnlich auf reduzierte Wasserverfügbarkeit.
Akzeptable Ergebnisse trotz reduzierter Wassermengen im Frühjahr
Interessant bleibt, dass trotz einer deutlich reduzierten Wassermenge im Frühjahr immer noch bis zu 90 % des bei optimaler Bewässerung angestrebten Frischmasseertrags erzielt und selbst in der trockenen Variante geringe, jedoch akzeptable, marktfähige Erträge für beispielsweise die Direktvermarktung erreicht werden konnten.
1Aus Sicht der Versuchsansteller wäre jedoch abschließend anzumerken, dass die Versuchsergebnisse durch die Anzahl der verfügbaren Wasseranschlüsse im Gewächshaus auf lediglich zwei Wiederholungen je Versuchsjahr reduziert waren. Eine statistische Absicherung der Ergebnisse ist daher nicht erfolgt, jedoch ließen sich die Versuchsergebnisse aus dem Jahr 2022 im Folgejahr 2023 nahezu replizieren.
Das Thema Wassereffizienz wird die Gemüsegärtner und Versuchsansteller weiterhin beschäftigen. Blickt man auf die vorliegenden Ergebnisse, zeichnet sich ein nicht ganz so dunkles Szenario in Anbetracht der Thematik Wasserverfügbarkeit ab. Auf jeden Fall erstmal kein Grund, die Köpfe hängenzulassen – die Salate tun es in der Regel auch nicht.
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