Fachberater tauschen sich über Herausforderungen aus
Gemüseexperten aus ganz Deutschland diskutierten vom 10. bis 12. März auf der 35. Bundesberatertagung aktuelle Themen aus Pflanzenschutz, Pflanzenernährung und Bewässerung. Zudem wurden neueste Versuchsergebnisse ausgetauscht.
von Bundesfachgruppe Gemüsebau erschienen am 16.03.2026Der Fokus lag in diesem Jahr auf fehlenden Insektiziden und Herbiziden, Anpassungsstrategien sowie Überlegungen zur Düngeverordnung und möglichen Auswirkungen auf den Gemüsebau bei sich ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein Diskussionsthema war der Metabolit Chloridazon-desphenyl aus dem mittlerweile verbotenen Zuckerrübenherbizid Chloridazon. Insbesondere im Gemüsebau traten im vergangenen Jahr Funde dieses Metaboliten auf, der jedoch grundsätzlich gesundheitlich unbedenklich ist. Da das Herbizid jedoch verboten ist und eine entsprechende Absenkung des Rückstandhöchstgehaltes erfolgte, kam es 2025 bundesweit zu Abverkaufsverboten, Sperrungen beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und zur Vernichtung von Ware.
Rückstände aufgrund von Kontamination
Da in Laborberichten nur der Metabolit nachgewiesen wird und nicht der Wirkstoff selbst, ist von einer Kontamination durch Altlasten auszugehen und nicht von einer missbräuchlichen Anwendung durch den Gemüseanbauer. Das Gemüse, insbesondere die betroffenen Kräuter, sind aufgrund der eingehaltenen Rückstandshöchstmengen in der Regel verkehrsfähig, werden vom Handel, insbesondere im Biohandel, aber aufgrund des unzulässigen Wirkstoffes bei Überschreiten des Richtwerts von 0,01 ppm häufig abgelehnt.
Massiv betroffen ist nicht nur der Bio-Anbau, denn bei Audits und Prüfungen wird entweder Abdrift oder sogar die Verwendung des alten Mittels vermutet. Die Fachberater aus den Ländern glauben, dass sich der Metabolit im Wasser und Boden befindet und vorrangig in trockenen Jahren „auftaucht“. Die Fachexperten auf der Tagung waren sich einig, dass hier eine Bewertung von Metabolitfunden von Bundes- und EU-Behörden sowie eine Neubewertung der Rückstandsdefinition auf EU-Ebene erforderlich ist.
Sie fordern, dass der Metabolit aus der Rückstandsdefinition wieder gestrichen oder zumindest getrennt vom Wirkstoff dargestellt werden sollte. So kann der Eindruck einer illegalen Anwendung vermieden werden. Die Bundesfachgruppe Gemüsebau setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass eine Stellungnahme der Bundesbehörden wie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oder des Bundesamts für Verbraucherschutz (BVL) veröffentlicht wird. Hierauf könnten sich die Landesbehörden dann berufen, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit auch bei Funden des Metaboliten zu erklären.
Düngegesetzgebung weiterhin unklar
Zudem gab es intensiven Austausch zur möglichen Änderung der Düngegesetzgebung. Zum aktuellen Zeitpunkt sind noch keine konkreten Pläne zur Änderung der Düngeverordnung seitens des Ministeriums bekannt. Jedoch befürchten die Gemüseberater, dass die Besonderheiten der Sonderkulturen und deren pflanzenbauliche Physiologie sowie die Marktgegebenheiten, denen die Branche unterliegt, in der Gesetzgebung zu wenig Beachtung finden.
Andere Themen, etwas abseits der gewohnten Vorträge aus der Beraterrunde selbst, waren dieses Jahr die neuen genomischen Züchtungstechniken. Es wurde klar, dass vor 2030/31 keine neue Sorte, die mittels Genschere erarbeitet wurde, auf dem deutschen Markt zugelassen wird, allein aufgrund der Regularien und Registrierungsabläufe. Ein weiterer interessanter Beitrag befasste sich mit RNA-Pflanzenschutzmitteln. Auch hier wird es noch eine lange Wartezeit bis zur Anwendung im Gemüsebau in Deutschland geben, aber vielleicht handelt es sich um einen Hoffnungsträger für die Zukunft.
Am letzten Tag wiederum wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen Risiko und Gefahren wahrnehmen. Viele der Herausforderungen im Gemüsebau gehen auf eine hohe Risikowahrnehmung zurück, insbesondere bei den Pflanzenschutzmitteln, die als chemische Pflanzengifte wahrgenommen werden. Insgesamt gab es über die drei Tage 30 Beiträge aus und um die Herausforderungen im Gemüsebau. Die hohe und rege Beteiligung der Fachberater – dieses Jahr waren es 80 Teilnehmer – zeigt immer wieder anschaulich, mit welcher großen Expertise alle Herausforderungen der Branche angegangen werden und wie um Lösungen im Sinne des Gemüsebaus gerungen wird.










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