Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Das „Kleeberger Kistl“

Kooperative Direktvermarktung mit Verkaufsautomaten

Im Rahmen eines Projektes soll am LfL-Standort Ruhstorf eine kooperative Direktvermarktung mit Erzeugerinnen und Erzeugern aus der Region aufgebaut und wissenschaftlich begleitet werden. Es sollen Hürden und Lösungsansätze für eine kooperative Direktvermarktung mithilfe von Verkaufsautomaten erarbeitet werden.

von LfL erschienen am 09.03.2026
Das „Kleeberger Kistl“ soll in der Praxisforschung zeigen, wie kooperative Direktvermarktung über Verkaufsautomaten in Bayern funktionieren kann. © LfL
Artikel teilen:

Flexible und kontaktlose Einkaufsmöglichkeiten werden immer beliebter, nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Das Vending, also der Verkauf von Waren über Verkaufsautomaten, ermöglicht eine zeitlich unabhängige und sichere Vermarktung ganz ohne Verkaufspersonal und erfreut sich auch unter Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern großer Beliebtheit.

Viele landwirtschaftliche Betriebe vermarkten ihre eigenen Produkte bereits über einen Verkaufsautomaten und ergänzen ihr Produktportfolio durch Zukäufe von Berufskollegen. Für diese Form der Direktvermarktung ist aber auch ein kooperativer Vermarktungsansatz denkbar. Derzeit stehen jedoch zu wenig Erfahrungswerte und Daten zum Aufbau und Betrieb einer kooperativen Direktvermarktung über Verkaufsautomaten zur Verfügung.

Technik hat sich weiterentwickelt

In den vergangenen Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten bei Verkaufsautomaten deutlich weiterentwickelt. Digitale Lösungen wie die Telemetrie ermöglichen eine Fernanalyse und Fernverwaltung des Verkaufsautomaten in Echtzeit und liefern dem Betreiber beispielsweise nicht nur nützliche Informationen zum Verkaufsverhalten und zum Warenbestand, sondern ermöglichen auch ein Störungsmanagement, wodurch Betriebs- und Serviceprozesse optimiert werden können. Bargeldlose Bezahlmodule ergänzen die Bezahlung mit Münzen oder Scheinen am Automaten und bedeuten für die Kundschaft noch mehr Flexibilität und Komfort.

All diese Sonderausstattungen sind jedoch auch mit höheren Investitions- und laufenden Kosten für Betreiberinnen und Betreiber verbunden. Ob diese technischen Lösungen – insbesondere im Hinblick auf den gemeinschaftlichen Vermarktungsweg – einen Mehrwert für die Kooperationspartnerinnen und -partner bieten, soll im Rahmen des Projektes analysiert werden.

Ziel ist außerdem die Praxisdatenerhebung zur Direktvermarktung mit Verkaufsautomaten, mit besonderem Augenmerk auf den kooperativen Vertriebsweg mit digitalen und smarten Lösungen. Ergänzend dazu sollen Praxisdaten und Erfahrungswerte zur Direktvermarktung mit Vertrauenskasse gesammelt werden. Technische Möglichkeiten wie die Telemetrie oder das bargeldlose Bezahlen sollen einem Praxistest unterzogen und der Mehrwert für die Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter ermittelt werden, insbesondere im Hinblick auf einen gemeinschaftlichen Betrieb eines Verkaufsautomaten. Qualitative Befragungen von landwirtschaftlichen Betrieben mit und ohne aktive Automatenvermarktung sollen zusätzliche Einblicke in die Chancen und Risiken der smarten, flexiblen und kontaktlosen Direktvermarktung geben. Im Rahmen des Projektes sollen zu guter Letzt anhand einer Internetrecherche aktuelle Zahlen zum Umfang des landwirtschaftlichen Vendings in Bayern erhoben werden.

Ein Verkaufsautomat für die Feldforschung

Am LfL-Standort in Ruhstorf wird gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region eine kooperative Direktvermarktung über Verkaufsautomaten aufgebaut. Hierfür stellt die LfL einen Verkaufsautomaten inklusive Umhausung zur Verfügung. Der Verkaufsraum wird genügend Platz für einen weiteren Verkaufsbereich mit Vertrauenskasse bieten, über den die teilnehmenden direktvermarktenden Betriebe Produkte vermarkten können, die beispielsweise zu groß für den Automaten und/oder nicht kühlpflichtig sind. Die LfL wird die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Realisierung der kooperativen Vermarktung bis Ende 2026 wissenschaftlich begleiten. Es werden Erfahrungswerte und Praxisdaten erhoben, die anderen interessierten, landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung gestellt werden sollen.

Des Weiteren wird eine Online-Umfrage von Betrieben mit und ohne aktive Automatenvermarktung durchgeführt werden. Anhand von Experteninterviews mit den bayerischen Pionier-Betrieben, die vor vielen Jahren erstmals ins landwirtschaftliche Vending eingestiegen sind, sollen zusätzliche Erfahrungswerte gesammelt werden. Die Bestandsaufnahme der in Bayern von Direktvermarkterinnen und Direktvermarktern betriebenen Verkaufsautomaten wird anhand einer Internetrecherche erfolgen. Dabei sollen unter anderem auch Informationen zu den Produktgruppen gesammelt werden, die landwirtschaftliche Betriebe hauptsächlich über die Automaten vermarkten.

Ausgezeichnet

Das LfL-Forschungsprojekt „Kleeberger Kistl“ wurde im Januar 2026 übrigens im Rahmen des europäischen COREnet-Projekts (Connecting advisors toward a European Network for consumer-producer chains) als Golden Case ausgezeichnet. Damit gehört es zu einem ausgewählten Kreis europäischer Praxisbeispiele – als einziges aus Deutschland. Die Auszeichnung würdigt Projekte, die zeigen, wie kurze Lebensmittelversorgungsketten in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden können. Das „Kleeberger Kistl“ steht damit exemplarisch für funktionierende Direktvermarktung, regionale Wertschöpfung und innovative Lösungen, die über Bayern hinaus Impulse für andere Akteure in Europa setzen.

0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren
Hallo, ich bin GemBo!