Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Ingwer-Projekt der Fachschule Fürth

Exotische Knolle aus regionalem Anbau?

Lohnt es sich, Ingwer in Deutschland zu produzieren? Dieser Frage gingen 25 Studierende im Rahmen ihrer Ausbildung zum Gärtnermeister/zur Gärtnermeisterin an der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft in Fürth nach.

Veröffentlicht am
Dieser Artikel ist in der erschienen.
PDF herunterladen
Artikel teilen:

Der aktuelle Meisterjahrgang bearbeitete ein semesterübergreifendes Projekt mit dem Titel: „Ingwer. Von der Anzucht bis zum Verkauf“. Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigten sich dabei mit folgenden Schwerpunkten: Anzucht, Anbau als Bodenkultur (im Gewächshaus), Anbau als Hydrokultur (im Gewächshaus), Technik und Steuerung, Betriebswirtschaft und Marketing.

Von Anzucht bis Wachstum

Als Pflanzgut wurde Ingwer aus drei verschiedenen Herkunftsländern besorgt: Ingwer aus Taiwan, aus Thailand und aus Peru. Am 18. Dezember 2018 wurden die ursprünglichen Ingwerknollen in kleinere Stücke mit jeweils etwa 25 g geteilt. Wichtig dabei ist, dass jedes Teilstück über mindestens zwei Knospen verfügt. Einen Tag später wurden die leicht angetrockneten Teilstücke im Abstand von 4 x 5 cm in Anzuchtkisten gelegt. Die Kisten waren mit je circa 4 kg Anzuchtsubstrat (Klasmann Bio-Kräutersubstrat oder Floragard Anzuchtsubstrat) befüllt und angedrückt. Darauf wurde der Ingwer gelegt, mit Substrat abgedeckt und abschließend angegossen, sodass das Substrat komplett durchnässt war. Die fertig gefüllten Kisten wurden auf einen Anzuchttisch gestellt und darüber mittels einer Holzkonstruktion Anzuchtfolie im Abstand von circa 30 cm zur Kistenoberkante gespannt, um eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten.

Ab dem Zeitpunkt der Keimung wurde zur Assimilationsbelichtung eine Natriumdampf- Hochdrucklampe eingesetzt, die eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang eingeschaltet und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang ausgeschaltet wurde. Während der Anzuchtphase wurde unter der Folie regelmäßig von Hand gegossen und die Temperatur des Substrats durch ein unter den Kisten verlegtes Heizkabel auf mindestens 24 °C gehalten. Anfang Januar 2019 waren die ersten Keime zu sehen. Bis zum Ende der Anzucht blieb der peruanische Ingwer stets im Wachstum zurück und fiel auch durch eine sehr niedrige Keimquote von 40% auf. Im Gegensatz dazu erreichte der taiwanesische Ingwer 70%, der thailändische sogar 100%. Das kräftigste Wachstum zeigte bis zum Tag der Pflanzung am 26. Februar 2019 der taiwanesische Ingwer.

Anbau im gewachsenen Boden

Vor der Pflanzung wurde auf 100 kg/ha Stickstoff aufgedüngt und der Boden durch Fräsen zur Pflanzung vorbereitet. Aufgrund des hohen Unkrautdrucks auf der Fläche wurde der Ingwer in schwarze Mulchfolie gepflanzt. Der Pflanzabstand betrug 50 x 30cm. Die angetriebenen Knollenstücke wurden circa 5cm tief gepflanzt und kräftig angegossen.

Die Bewässerung während der Kultur erfolgte über Tröpfchenbewässerung. Zusätzlich waren über der Kulturfläche (sowohl Boden- als auch Hydrokultur) Nebeldüsen (0,25 Düsen pro m²) installiert, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit – alle 15 Minuten für fünf Sekunden Wasser sprühten. Der Gesamtwasserbedarf belief sich auf 800 l/m². Pflanzenschutzmittel kamen während der Kulturzeit nicht zum Einsatz. Geerntet wurde Ende Oktober 2019. Dazu wurden die einzelnen Rhizome ausgegraben, das Laub eingekürzt, die Feinwurzeln entfernt und die anhaftende Erde abgespritzt. Im Durchschnitt aller Herkünfte des Ingwers (Taiwan, Thailand, Peru) betrug der Ertrag 2,0kg/m².

Anbau in Hydrokultur

Als Anbauform für diese Variante wurde die Deep Water Culture gewählt. Als Becken diente ein auf einer Grundfläche von 4m² errichtetes Holzgestell, das mit einer Teichfolie ausgelegt wurde. KG-Rohre, auf denen ein Gitter ausgelegt worden war, bildeten eine stabile Schwimmplattform. Eine einfache Teichpumpe sorgte für eine konstante Wasserbewegung und damit ausreichende Sauerstoffzufuhr. Der Ingwer wurde in mit Perliten gefüllte Kisten und in mit Perliten befüllte Säcke gesetzt. Insgesamt wurden 22 Pflanzen gesetzt, womit sich eine Pflanzdichte von 5,5 Pflanzen pro m² ergab. Mit Perlit abgedeckt war der Ingwer vor direkter Sonnenstrahlung geschützt und erhielt so eine helle, ansprechende Farbe. Die ersten drei Wochen nach der Pflanzung erfolgte die Bewässerung mittels Tröpfchenbewässerung mit 3,6 l/ Tag/Pflanze. Nach drei Wochen erreichten die neugebildeten Wurzeln die Nährlösung, was die Tröpfchenbewässerung überflüssig machte. Als Sollwerte für den pH-Wert/den EC-Wert wurden 6,2 beziehungsweise 1,8 bis 2,0 eingestellt. Für die Temperatur der Nährlösung wurde ein optimaler Bereich zwischen 18 °C und 20 °C festgelegt. Der Ingwer in Hydrokultur war im Verlauf der kompletten Kulturzeit wenig pflegebedürftig, lediglich das Laub musste ab circa Juli/ August stabilisiert werden, damit es nicht abknickte.

Zur Ernte wurden die Rhizome aus dem Perlit genommen, gesäubert und das Laub eingekürzt. Es war festzustellen, dass der Ertrag bei der Variante in den mit Perliten gefüllten Kisten höher war, da sich hier auch die Wurzeln besser ausbilden konnten im Gegensatz zu der Variante in den Säcken. Der Gesamtertrag betrug 3,8kg/m².

Erfolgreiches Marketing

Erstes Ziel der Marketing-Gruppe war die Öffentlichkeitsarbeit. Um also auf den Anbau von Ingwer im Schul-Gewächshaus hinzuweisen, wurden zwei Internetauftritte erstellt, auf Facebook und auf Instagram. Darüber wurde über das aktuelle Geschehen und die Fortschritte im Wachstum der Kultur berichtet. Plakate am Gewächshaus informierten die vorbeilaufenden Passanten über das Ingwer-Projekt. Eine Kundenumfrage im Laufe des Sommers in einigen Betrieben der Studierenden gab Aufschluss über mögliches Kaufverhalten der Verbraucher bezüglich des Ingwers. Die Umfrage zeigte, dass 90% der Befragten auf regionale Herkunft ihrer Lebensmittel achten. Sie würden deutschen dem importierten Ingwer vorziehen und auch höhere Preise dafür in Kauf nehmen. Zudem kam heraus, dass der Erntezeitpunkt hierzulande mit der Hauptnachfragezeit (vor allem Winter) übereinstimmt. Obwohl die Umfrage auf keinen Fall repräsentativ ist, lässt sie doch Schlüsse auf ideale Voraussetzungen für die heimische Produktion von Ingwer zu. Für den Verkauf des Ingwers bot sich im Oktober 2019 die Gelegenheit, im Rahmen der „Consumenta“ in Nürnberg, der größten Verbrauchermesse Bayerns, die frischen Knollen anzupreisen und zu einem Messepreis von 2,50€ pro 100g zu verkaufen.

Viel Werbung bedurfte es während der neun Tage dauernden Messe nicht, um die gesamte Erntemenge an den Mann und die Frau zu bringen. Zwei Kundenstopper mit der Aufschrift „NEU!!! Ingwer. Das exotische Gewürz aus dem Knoblauchsland“ waren ausreichend, um die Menge von über 100kg Ingwer zu verkaufen. Darüber hinaus ließen auch die nicht enden wollenden Fragen das große Interesse der Standbesucher an regional erzeugtem Ingwer erahnen.

Regionaler Ingweranbau möglich

Insgesamt wurde festgestellt, dass die Produktion von Ingwer auch hierzulande einfach umzusetzen ist und große Nachfrage nach der exotischen Knolle besteht. Vor allem für direktvermarktende Betriebe ist Ingwer eine interessante Kultur, die die Produktpalette sinnvoll erweitern und Kunden anziehen kann. Ingwer kann in alten Gewächshäusern oder in Folientunneln angebaut werden. Die Möglichkeit zur Beschattung sollte auf jeden Fall vorhanden sein, da er keine intensive Sonneneinstrahlung verträgt. Ein Verkaufspreis von mindestens 20€ /kg (Bio-Ware auch höher) stellt auf jeden Fall eine realistische Grundlage für eine Kalkulation dar.

Mehr zum Thema: