
6 Tipps für den erfolgreichen Zucchinianbau
Unsere Anbauexpertin Kerstin Mahler hat sich dieses Mal die Zucchini vorgenommen und zeigt in sechs Schritten den Weg zum erfolgreichen Anbau.
von Kerstin Mahler erschienen am 16.04.2026Die Zucchini, wie wir sie heute kennen, ist in Deutschland ein noch relativ junges Sommergemüse. Sie wurde erst in den 1960er-Jahren bekannt und ist heute mit 1.100 bis 1.200 ha (Ernte 2024: 47.000 t) ein fester und stabiler Bestandteil des heimischen Freilandanbaus. Mehr als 75 % der Anbauflächen liegen in Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ein ganzjähriges Angebot wird über Importe gewährleistet, wovon allein Spanien mit 46.000 t etwa 70 % abdeckt.
1. Der Standort
Die Zucchini gehört zu den Kürbisgewächsen und ist wie alle ihre Verwandten frostempfindlich und wärmeliebend. Aufgrund des schnelleren Wachstums und der besseren Kältetoleranz hat sie jedoch eine größere klimatische Anbaubreite als Gurken oder Riesen- und Moschuskürbisse. Damit ist sie auch für mittel- und nordeuropäische Anbauregionen interessant. Optimal für das Wachstum sind Temperaturen zwischen 18 und 24 °C. Bei Temperaturen unter 10 °C stellt die Pflanze das Wachstum ein. Pollen wächst auch noch bei 8 bis 10 °C. Die Zucchini bevorzugt humusreiche, leicht erwärmbare Böden mit einer lockeren Bodenstruktur und gutem Wasserhaltevermögen. Für eine gute Verfügbarkeit von Haupt- und Spurennährstoffen sind pH-Werte zwischen 6 und 7,5 ideal. Böden mit hohen Salzgehalten sind zu vermeiden, da die Pflanze nur mäßig salztolerant ist.
2. Nährstoffe und Wasser
Zucchini entziehen dem Boden viel Stickstoff (N), Phosphor und Kalium. Bei einem Rohertrag von 650 dt/ha hat die Kultur einen N-Bedarf von 250 kg/ha und benötigt bei Bodenversorgungsstufe C pro ha 40 kg Phosphat, 135 kg Kaliumoxid, 15 kg Magnesiumoxid und 15 kg Schwefel. Vorteilhaft ist eine organische Düngung mit Komposten oder Wirtschaftsdüngern wie Stallmist mit 250 bis 500 dt/ha. Den größten Nährstoff- und Wasserbedarf hat die Kultur mit Beginn des Fruchtwachstums und während der gesamten Ernteperiode. In dieser Phase werden wöchentlich durchschnittlich 25 kg N/ha aufgenommen.
Der Zusatzwasserbedarf liegt durchschnittlich zwischen 1.300 und 2.700 m3/ha Kerstin Mahler
Gut entwickelte Pflanzen benötigen im Sommer täglich 20 bis 30 m3 Wasser je Hektar, bei Hitze bis zu 50 m3. Je nach Region, Bodenart und Jahreszeit liegt der Zusatzwasserbedarf durchschnittlich zwischen 1.300 und 2.700 m3/ha. Störungen im Wasserhaushalt können Fruchtverformungen und etwas bittere Früchte verursachen. Überkopfberegnungen frühmorgens zur Blütenöffnung führen vermehrt zu Krüppelfrüchten und Spitzenfäule. Üblich ist der Anbau auf Folie mit Tropfbewässerung und Fertigation. Das erhöht die Ertragsbildung und die Befahrbarkeit der Bestände.
Vor dem Folienlegen werden beispielsweise 80 kg N/ha direkt unter die Folie gestreut und ab Erntebeginn mit zwei bis drei Wassergaben wöchentlich 10 bis 20 kg N/ha über die Tropfbewässerung verabreicht. Gedüngt wird mit wasserlöslichen N-Düngern und mindestens 25 m3 Wasser je Hektar. Möglich ist auch eine zwei- bis dreiwöchige Kopfdüngung mit 30 bis 50 kg N/ha auf trockene Bestände mit anschließender Abberegnung. Zucchini sind chloridempfindlich und sollten daher nur mit sulfathaltigen K-Düngern gedüngt werden. Die Kultur hinterlässt für die Nachkultur über Ernterückstände 165 kg N/ha, die in etwa sechs Wochen freigesetzt werden.
3. Die passende Sorte
Die Zucchinizüchtung hat im Laufe der Jahre eine große Farb- und Formenvielfalt geschaffen. Es gibt weiße, hell- bis dunkelgrüne und gelbe sowie wenig bis stark gesprenkelte oder gestreifte Sorten. Die Fruchtform variiert zwischen zylindrisch, birnenförmig, rund (Rondini) und tellerförmig. Der deutsche Markt bevorzugt allerdings zylindrische, mittel- bis dunkelgrüne Früchte mit einer deutlichen Sprenkelung. Diese sind am Point of Sale weniger anfällig für Druckstellen und in der Küche leichter zu verarbeiten.
F1-Hybriden mit einer Multiresistenz gegen Viren und Echten Mehltau und geringer Seitentriebbildung sind seit vielen Jahren Standard. Für eine effiziente Ernte ist ein offener Wuchs mit leicht erkennbaren und gut zugänglichen Früchten entscheidend. Ein aufrechter, nicht allzu kompakter Pflanzenaufbau sorgt, auch schon bei Erntebeginn, für freihängende Früchte und damit für eine höhere Ausbeute. Seit einigen Jahren sind zudem leistungsstarke stachelarme Sorten auf dem Markt, die das Ernten deutlich angenehmer machen und zu weniger Schürfwunden auf der empfindlichen Schale führen. Im Frühbereich sind Sorten im Angebot, die auch ohne Insekten und unter kühlen Bedingungen einen hohen Fruchtansatz garantieren.
4. Die Anbauplanung
Für eine kontinuierliche Marktversorgung sind im Freiland mindestens drei bis vier Sätze anzubauen. Die Erntedauer liegt bei acht bis zwölf Wochen pro Satz. Kurzkulturen mit vier bis sechs Wochen Erntezeit erfordern mehr Anbausätze, führen aber vor allem im Spätsommer und Herbst zu leichter beerntbaren, wüchsigen und gesünderen Beständen. Die Zucchini wird mit einer Bestandsdichte von 1 bis 1,4 Pflanzen je Quadratmeter gepflanzt oder direkt gesät. Üblich sind Abstände von 140 bis 150 cm x 50 bis 60 cm, bei Doppelreihen auch 240 cm x 160 cm x 50 cm. Eine Direktsaat ist von Mitte Mai bis Mitte Juni mit einer Ablagetiefe von 3 cm empfehlenswert. Die Pflanzung erfolgt mit 5 bis 7,5 cm großen Erdpresstöpfen sobald das erste Laubblatt sichtbar ist. Gepflanzt wird in der Regel von Ende März bis Ende Juli.

Bis zur Ernte werden bei Frühpflanzungen und Direktsaat 40 bis 45 Tage benötigt. Spätere Pflanzungen sind bereits nach 30 bis 35 Tagen erntereif. Die Ernteperiode erstreckt sich damit je nach Region von Mitte/Ende Mai bis zum ersten Frost im Oktober. Alle Sätze bis Mitte Mai werden zur Verfrühung abgedeckt. Verfrüht wird unter anderem unter Kleintunneln mit schwarzer, abbaubarer Mulchfolie, die zur Bodenerwärmung mindestens zwei Wochen vor Saat oder Pflanzung verlegt wird. Weniger arbeitsaufwendig ist eine Furchenpflanzung ohne Mulch mit Flachabdeckung (einfach oder doppelt). Die Furchen werden nach dem Aufdecken mit Hackgeräten zugeschüttet, womit auch gleichzeitig das erste Unkraut bekämpft wird. Nachteilig sind bei diesem Verfahren die anfänglich größere Erdverschmutzung der Früchte und das höhere Unkrautrisiko.

Bei Doppeldeckung wird die obere Bedeckung meist Anfang Mai abgenommen, die untere ab Mitte Mai mit Beginn der weiblichen Blütenbildung, damit die Blüten von Bienen und Hummeln bestäubt werden können. Mehrheitlich bildet die Zucchini erst nur weibliche Blüten und einige Tage später nur männliche, was oft für eine gewisse Beunruhigung sorgt, da keine Befruchtung stattfindet. Danach erfolgt die weibliche und männliche Blütenbildung ohne feste Reihenfolge, und sie wird nur noch von Temperatur und Licht beeinflusst. Niedrige Temperaturen und wenig Licht fördern dabei die weiblichen, hohe Temperaturen und viel Licht die männlichen Blüten.
5. Der Pflanzenschutz
Bis zum Schließen der Bestände ist primär eine gründliche Unkrautbekämpfung wichtig. Unkräuter sind nicht nur Konkurrenz, sondern auch Wirtspflanzen für Viren. Da die Anwendung von Herbiziden wegen schlechter Verträglichkeit stark eingeschränkt und die Wirkung oft unzureichend ist, wird in Zucchini überwiegend gehackt. Dabei reichen je nach Unkrautdruck zwei bis drei Hackvorgänge. Beim Anbau auf abbaubarer Mulchfolie entfällt das Hacken von Hand in der Reihe. Problematisch sind hauptsächlich Hirsearten, die zwar im kleinen Stadium mechanisch gut bekämpfbar sind, Flächen mit starkem Besatz an Hirsegras (vor allem Hühnerhirse) sollten aber unbedingt gemieden werden. Zwischen den Reihen sind auch Herbizidbehandlungen mit Abschirmung möglich. Beim Anbau auf Mulchfolie ist allerdings äußerste Vorsicht geboten: Herbizide, die auf die Folie gelangen, können bei starken Niederschlägen in das Pflanzloch gespült werden und Schäden verursachen.
Die Erträge liegen je nach Sortierung und Erntedauer zwischen 350 und 600 dt/ha Kerstin Mahler
Die wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten im Zucchinianbau sind Virosen, die verkrüppelte sowie verfärbte Früchte hervorrufen. Sie treten häufig in Mischinfektionen auf und werden überwiegend durch Blattläuse übertragen oder mechanisch durch Ernte- und Pflegearbeiten sowie Aneinanderreiben von Pflanzenteilen. Die vier häufigsten Viren sind Wassermelonenmosaik-Virus (WMV), Zucchini-Gelbmosaik-Virus (ZYMV), Papaya-Ringflecken-Virus (PRSV) und Gurkenmosaik-Virus (CMV). Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland ein neues Virus nachgewiesen, das Marokkanische Wassermelonenmosaikvirus (MWMV). Die beste Bekämpfungsmethode ist der Anbau mehrfachresistenter Sorten.

Daneben sind eine konsequente Blattlausbekämpfung und keine unmittelbare Nachbarschaft zu anderen Kürbisgewächsen wichtig. Nach Ernteende sind die Pflanzenbestände sofort einzuarbeiten, um eine unnötige Virusübertragung zu vermeiden. Im Spätsommer und Herbst kann der Echte Mehltau (Golovinomyces cichoracearum, Podosphaeria xanthii) zu einem Problem werden. Bei hohem Befallsdruck ohne Bekämpfung überzieht er ganze Bestände und verschmutzt mit seinen Sporen die Früchte. Auch hier sind resistentere Sorten vorhanden. Da junge Bestände weniger anfällig sind, kann in dieser Zeit ein satzweiser Anbau sinnvoll sein. Außerdem sind abendliche Überkopfberegnungen zu vermeiden, da nächtliche Blattnässe den Befall fördert.
Bei hohem Befallsdruck und Kontaktmitteln ist ein enger Spritzabstand mit fünf bis acht Tagen wichtig. Weitere gelegentlich auftretende Krankheiten sind in warmen, nassen Jahren die schwer bekämpfbare Phytophthora-Fäule (Phytophthora capsici) und der Stängelbrand (Didymella bryoniae), in kühlen, feuchten Perioden auch die Gurkenkrätze (Cladosporium cucumerum) und der Falsche Mehltau (Pseudoperonospora cubensis). Fusarium-Weichfäule sowie die meisten anderen Krankheiten lassen sich mit weiten Fruchtfolgen ohne Kürbisgewächse weitestgehend vermeiden oder zumindest verringern. Im Frühsommer können vorwiegend Blattläuse durch Saugschäden und Virusübertragung Probleme bereiten. Blüten und Früchte sollten möglichst blattlausfrei gehalten werden. In der Blütezeit sind bienengefährliche Insektizide (zum Beispiel Karate Zeon) zu vermeiden, da sonst Ertragsverluste wegen fehlender Bestäubung möglich sind. Alle zugelassenen Mittel sind in PSinfo unter www.pflanzenschutz-information.de abrufbar.
6. Ernte und Aufbereitung
Verfrühte Freilandware kann je nach Region und Verfrühungsmethode ab Mitte oder Ende Mai geerntet werden. Größere Mengen sind meist ab Anfang oder Mitte Juni zu erwarten. Bei Freilandsätzen beginnt die Ernte oft Anfang Juli. Die Ernte endet in der Regel mit dem ersten Frost im Oktober. Die Früchte werden häufig nach Länge in 7 bis 14, 14 bis 21, 21 bis 35 und über 35 cm sortiert oder nach Gewicht in 50 bis 100, 100 bis 225, 225 bis 450 oder über 450 g. Für hohe Erträge liegt die Erntegröße normalerweise bei etwa 17 bis 21 cm. Beim ersten Erntedurchgang gibt es sortenbedingt meist einen höheren Anteil an spitzen und vergilbten Früchten (schlechte Bestäubung), die in der Erntegasse verbleiben.
Die Früchte werden üblicherweise mit einem kleinen Stielansatz von maximal 3 cm geschnitten. Um die empfindliche Fruchtschale nicht zu verletzen, werden bei der Ernte meist Handschuhe getragen. Die Ernte ist mit drei bis sechs Durchgängen personal- und arbeitsintensiv. Um höhere Ernteleistungen zu erzielen, werden auf größeren Flächen zweiseitige Erntebänder mit beispielsweise 13 Personen eingesetzt. Damit sind Ernteleistungen von etwa 50 kg/Akh erreichbar. Durchschnittlich fallen für die Ernte mit Ernteband inklusive Aufbereitung etwa 1.200 Akh/ha an.
Pro Pflanze sind 22 bis 25 Früchte mit einem Gewicht von 200 bis 225 g möglich. Die Erträge liegen je nach Sortierung und Erntedauer zwischen 350 und 600 dt/ha. Lose Ware wird üblicherweise schon auf dem Feld marktfertig in 5-kg-Steigen (circa 22 Stück) verpackt, Netzware oder 500-g-Banderolen (zwei Stück) in speziellen Aufbereitungslinien im Betrieb. Zucchini-Früchte sind kälteempfindlich. Sie können bei 7 bis 10 °C und 93 bis 95 % Luftfeuchtigkeit ein bis zwei Wochen aufbewahrt werden.















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