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Pflüglerhof in Neufahrn bei Freising

Neubau für 12 Millionen Euro

Familie Pflügler hat sich ihren Traum von zukunftsfähiger und vielseitiger Landwirtschaft erfüllt – dazu gehört auch eine Gemüsegärtnerei. Aus dem Ortskern sind sie mit ihrem Hof an den Rand von Neufahrn bei München ausgesiedelt. Wir haben mit Carolin und Andreas Pflügler gesprochen, wie sie das Megaprojekt finanziert und versichert haben.

von Caroline Wörner erschienen am 20.11.2025
Maschinenhalle, Hühnerstall, Brauerei, Gewächshäuser, Hofladen, Wohnhaus und vieles mehr, haben auf der neuen Hofstelle des Pflüglerhofs ihren Platz. © Caroline Wörner
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Direkt an der Hauptstraße zwischen Neufahrn und Mintraching liegt der neue Pflüglerhof. Die Hofeinfahrt ist unscheinbar, die Hofstelle keineswegs. Ein großer Innenhof – bepflanzt und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet – um den die verschiedenen Gebäude gruppiert sind. Herzstück ist das neue Mehrzweckgebäude. Hier ist der Hofladen untergebracht, linker Hand befinden sich eine Industrieküche und Backstube sowie ein Veranstaltungsraum mit Platz für circa 100 Personen. Die Besucherinnen und Besucher sind hier ganz nah dran an der landwirtschaftlichen Wertschöpfung: Durch Glasscheiben können sie schon vom Parkplatz aus einen Blick in die Backstube und die Brauerei werfen. Wer weiter über das Betriebsgelände läuft, entdeckt noch mehr: den Hühnerstall, die Maschinenhalle, das Wohnhaus und die zwei Gewächshäuser der Gärtnerei.

Hintergrund

2018 haben Carolin und ihr Mann den Hof von Carolins Eltern übernommen. Die Lage im Ortskern war beengt, das Arbeiten dadurch umständlich. Der Anstoß, zu investieren, kam vom Steuerberater. „Er hat uns gesagt, dass wir etwas ändern müssen, um langfristig von dem Betrieb eine Familie ernähren zu können“, erzählt Carolin. Das, aber auch der Wunsch, sich selbst zu verwirklichen, waren die ausschlaggebenden Gründe für das Projekt. Die Fläche, auf der der neue Pflüglerhof gebaut wurde, befand sich bereits im Eigentum der Familie. Die Lage an der Hauptstraße war für den Neubau ideal, die Infrastruktur wie Strom- und Wasseranschluss bereits vorhanden.

Stolze Bauherren: Carolin und Andreas Pflügler.
Stolze Bauherren: Carolin und Andreas Pflügler. © Caroline Wörner

Drei Jahre Baustelle

Am 22. Februar 2022 rollten die ersten Bagger, zwei Tage später begann der Krieg in der Ukraine. Das Großprojekt der Pflüglers war von der nachfolgenden Energiekrise und dem Baustoffmangel direkt betroffen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Summe, die sie in den Neubau investieren mussten. Geplant war eine Investition zwischen acht und zehn Millionen Euro. Stand jetzt hat der Neubau zwölf Millionen Euro gekostet. „Jeder Betonmischer, der hierhergefahren ist, hat plötzlich einen Energiekostenzuschlag verlangt“, erinnert sich Carolin. Die Preise für Stahl hatten sich verdoppelt. Glück für die beiden, dass der Bauträger schon den Großteil an Stahl und Beton geordert hatte, als sie im November 2021 den Vertrag unterschrieben. Die Preissteigerungen haben sie dennoch getroffen. Denn für die Installationen von Elektrik, Gas und Wasser hatten sich die Bauherren keine Materialien im Voraus gesichert.

Für Bauphase hatte das Paar sich durch eine Bauleistungsversicherung abgesichert. „Das hat uns 10.000 Euro gekostet. Im Nachhinein haben wir sie nicht gebraucht, aber wer weiß, was gewesen wäre, wenn wir sie nicht gehabt hätten. So ist das eben mit den Versicherungen“, sagt Carolin. Eine Bauherren-Haftpflichtversicherung war in ihrer landwirtschaftlichen Haftpflichtpolice inkludiert, das Bauen musste lediglich angegeben werden. Um die fertiggestellten Immobilien zu schützen, haben die Betriebsleiter eine Gebäudeversicherung abgeschlossen, denn hier sehen Carolin und Andreas das größte Risiko, falls etwas passieren sollte.

Ein Großprojekt finanzieren

Drei Jahre Großbaustelle liegen hinter Carolin und Andreas Pflügler. Noch etwa weitere zwei Jahre wird es dauern, bis die letzten kleineren Ausbauarbeiten erledigt sind. Wie finanziert man ein solches Großprojekt? „Ohne den Verkauf der Hofstelle wäre es nicht gegangen“, weiß Carolin. Sie ist gelernte Bankkauffrau und die Zahlen-Chefin im Betrieb. Zusammen mit ihrer Bank hat sie den Finanzierungsplan aufgestellt. Der Erlös des alten Hofes im Ortskern war ihr Startkapital, die restliche Investitionssumme ist über Kredite finanziert. Das Ziel ist es, dass Carolin und Andreas die Kredite abbezahlen, bevor sie den Hof an die nächste Generation übergeben. Um das zu erreichen, haben sie Sondertilgungen mit der Bank vereinbart. Noch ist nicht klar, ob eines der drei Kinder später in den Betrieb einsteigen wird. Falls ja, könnte das in zehn Jahren schon Realität werden, meint Carolin.

Wir haben nie mit einer Förderung im Finanzierungsplan kalkuliert Carolin Pflügler

Förderungen haben die Pflüglers bisher nicht bekommen – und das, obwohl sie mit einer Förderberaterin zusammengearbeitet haben und das, wofür sie Zuschüsse hätten bekommen können, umgesetzt haben. Zurück bleibt Enttäuschung über das System und ein Funke Hoffnung auf die Leader-Förderung. „Wir haben nie mit einer Förderung im Finanzierungsplan kalkuliert, aber wir haben auch nicht mit diesen Preissteigerungen gerechnet“, sagt die Betriebsleiterin. „Es ist für uns schon ärgerlich, dass wir bisher keine finanzielle Unterstützung erhalten haben – weil wir zu klein sind, weil wir nicht ins Schema passen, weil wir zu teuer gebaut, oder die falsche Rechtsform gewählt haben.“

Frisches Gemüse für den Hofladen

50 ha Ackerland bewirtschaften die Pflüglers, sie bauen Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln und Gemüse an. Mit dem neuen Hofladen bekommt der Betrieb so viel Zulauf, dass die Familie teilweise mit dem Anbau nicht mehr hinterherkommt – und das, obwohl sich die Bedingungen für den Gemüseanbau durch den Neubau verbessert haben: Die Fläche für das Feldgemüse liegt jetzt direkt am Hofacker und es sind zwei feste Gewächshäuser mit je 300 m2 Anbaufläche dazugekommen. „Wir können mengenmäßig mehr machen und es ist viel unkomplizierter. Wir schätzen die kurzen Wege, wenn im Hofladen etwas ausgeht, schneide ich halt nochmal eine Kiste“, sagt Andreas. In den Gewächshäusern werden Salate, Ingwer und Fruchtgemüse produziert. Im Freiland bauen die Pflüglers eine große Vielfalt an Gemüsearten an, unter anderem Süßkartoffeln.

Als der Frost im Mai eben jene Kultur erwischte, hofften die Gemüsegärtner auf eine Übernahme des Schadens durch die Mehrgefahrenversicherung, aber nein. „Wir sind etwas enttäuscht, weil wir feststellen mussten, dass im Gemüsebau nicht so viel versichert ist, wie wir dachten“, sagt die Betriebsleiterin. Eine Ertragsausfallversicherung haben sie nicht, da andere Betriebszweige einen Ausfall wahrscheinlich kompensieren könnten.

Das Feldgemüse ist ein Must-have im Hofladen Andreas Pflügler

Um die große Nachfrage im Hofladen bedienen zu können, ergänzt Carolin das eigene Sortiment durch Ware von anderen Gärtnern aus der Region. Den Anspruch, ihren Kunden frisches, regionales Gemüse anzubieten, hängen die Pflüglers hoch. „Das Feldgemüse ist ein Must-have im Hofladen. Im Verhältnis zu anderen Produkten, ist damit aber relativ wenig verdient“, gibt Andreas zu bedenken. „Der Gemüsebau ist bei uns Liebhaberei“, sagt auch Carolin. Der Aufwand dahinter, das Pflanzen, Pflegen und Ernten, sei einfach groß. „Schneide ich eine Kiste Salat, verdiene ich damit ein paar wenige Euro. Bringt mir ein Winzer eine Flasche Wein, die ich etwas teurer im Hofladen verkaufe, dann habe ich das Gleiche verdient, hatte aber keinen Aufwand damit“, führt Andreas aus. Im Hofladen gibt es neben Gemüse auch Backwaren, Eier, das Fleisch der aufgezogenen und selbst geschlachteten Bruderhähne sowie hofeigenes Bier. Andreas ist nämlich nicht nur Landwirt, sondern an zwei Tagen pro Woche auch Braumeister. Dann stellt er mit Unterstützung seines Vaters das Pflüglerbräu her.

Wichtigste Einkommensquelle, um den Kredit abzubezahlen, ist aktuell das Mehrzweckgebäude. Es sind der Hofladen und der Veranstaltungsraum, die sich zu tragenden Standbeinen des Betriebs entwickelt haben. „Wir haben privilegiert gebaut, man sollte meinen, die Landwirtschaft erwirtschaftet mehr als alles andere, aber so ist es nicht“, sagt Carolin. Die Lösung: Das eigene Gewerbe mietet das Gebäude von der Landwirtschaft und zahlt Miete, damit das Einkommen der Landwirtschaft gesichert ist. Die Pflüglers vermieten den Veranstaltungsraum auch für private Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage, für Seminare oder politische Veranstaltungen. Und sie bieten eigene Events an, wie zum Beispiel das Hoffrühstück. Die Veranstaltungen sind zwar ein Mehraufwand, aber einer, der sich finanziell lohnt. Besonders erfolgreich ist ihr Angebot für Busgruppen. Die Besucher bekommen von Andreas eine Führung über den Hof und lernen die verschiedenen Betriebszweige kennen, währenddessen kocht Carolin für die Gäste ein Mittagessen – ein gut planbares Komplettpaket, von dem der gesamte Betrieb profitiert.

Die meiste Arbeit auf dem Hof erledigen Carolin und Andreas selbst. Neben den Versicherungen für den Betrieb sind für das Paar auch ihre persönlichen Versicherungen von großer Bedeutung, denn von ihrer Arbeitskraft hängt der Betrieb ab. Beide haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Risikolebensversicherung stimmen sie gerade ab. Zur Absicherung für den Notfall gehört für die beiden auch die Vorsorgevollmacht und ihr Ehevertrag.

Bilanz ziehen und nach vorne blicken

Brauerei, Hühner, Ackerbau, Hofladen und Veranstaltungen – der Pflüglerhof ist vielseitig aktiv. „Wir sind der Meinung, wir haben uns jetzt so breit aufgestellt, dass wir immer irgendwie ausweichen können. Sollte es in der Landwirtschaft nicht so gut laufen, können wir den Fokus mehr auf die Veranstaltungen setzen“, meint Carolin. 2025 war sozusagen ihr Probejahr, jetzt wird Bilanz gezogen, welche Angebote es weiter geben wird und welche nicht. Beiden ist es wichtig, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben, dass es ihnen als Familie gut geht und natürlich auch, dass sie damit Geld verdienen. Die Aktion „Kaffee und Kuchen“ wird es zum Beispiel künftig nicht mehr geben – zu hoch sind die Kosten für hochwertige Zutaten und Personal, zu wenig bleibt hängen.

Sollte es in der Landwirtschaft nicht so gut laufen, können wir den Fokus mehr auf die Veranstaltungen setzen Carolin Pflügler

Und wie lief die Gärtnerei im ersten Jahr am neuen Standort? „Eigentlich müssten wir schon wieder neue Gewächshäuser bauen. Wir merken, wir könnten noch mehr Ware verkaufen“, sagt Andreas. In seinem Kopf hat er schon viele Ideen, wie der Betrieb weiter expandieren könnte, zum Beispiel könnte sich der geschützte Anbau von Erdbeeren lohnen. Andreas sieht aber auch, dass irgendwann die Kapazitätsgrenze dessen erreicht ist, was sie selbst schaffen können. Deshalb wird es vorerst bei den zwei Gewächshäusern bleiben – und die Erdbeeren sollen im kommenden Jahr versuchsweise in einer zweiten Etage über den Salaten wachsen.

Pflüglerhof in Neufahrn bei Freising, Bayern
  • Betriebsgründung: 1913, Carolin und Andreas haben den Betrieb 2018 von Carolins Eltern übernommen
  • Neubau und Aussiedelung: 2022 bis 2025
  • Betriebsleiter: Carolin und Andreas Pflügler
  • Mitarbeitende: Drei Teilzeitkräfte in der Backstube, der Landwirtschaft und im Hofladen
  • Betriebszweige: Landwirtschaft auf 50 ha Fläche, davon je 10 ha Weizen, Braugerste, Mais und Sojabohnen, weitere 10 ha mit Kartoffeln, Zwiebeln und Gemüse (1 ha im Freiland und 0,06 ha im geschützten Anbau), Veranstaltungen, Hofladen, Brauerei, Legehennen und Bruderhahnaufzucht
  • Vermarktung: Eigener Hofladen
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