
Lebensmittelreste sinnvoll verwerten
Restströme aus der Kartoffelindustrie oder Käseproduktion sowie Brotreste können ein sinnvolles zweites Leben in Hundenahrung erhalten, wie ein Projekt am Niederrhein zeigt.
von Agrobusiness Niederrhein erschienen am 23.02.2026Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr in Europa im Müll – ein bekanntes Problem. Doch was passiert mit den Stoffen, die bereits bei der Produktion entstehen und für die Lebensmittelproduzenten nicht weiter nutzbar sind? Kartoffelschalen aus der Pommes-Herstellung, Molke aus der Käseproduktion oder Brotreste sind sogenannte Restströme, die häufig ein zweites Leben in der Tierfutterproduktion erhalten.
Um diesen spannenden Aspekt der Kreislaufwirtschaft näher zu beleuchten, lud das Team des Interreg-Projekts Agropole Innovates, unter der Leitung von Agrobusiness Niederrhein e. V., gemeinsam mit dem niederländischen Netzwerk Agri Business Groep Venray zu einem Besuch bei der Firma Looop in Venlo ein. Dort stellten Paul Slits und Gert-Jan Hermanussen das Unternehmen vor, das seit über 35 Jahren Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie zu hochwertigen Futtermitteln verarbeitet. Looop ist in Nordwest-Europa breit vernetzt und beliefert rund 1.400 Kunden – von landwirtschaftlichen Betrieben bis zu großen Futtermittelherstellern.
„Wir stehen stets zwischen Angebot und Nachfrage“, so Gert-Jan Hermanussen. „Krisenzeiten bedeuten weniger Produktion – und damit auch weniger Reststoffe.“ Aktuell belasten hohe Energiepreise die Branche zusätzlich. In manchen Fällen ist es für Unternehmen wirtschaftlicher, Reststoffe in Biogasanlagen zu entsorgen, statt sie für die Tierfütterung aufzubereiten. Besonders vielfältig sind die Restströme aus der Kartoffelverarbeitung – von Schalen über gedämpfte und frittierte Produkte bis hin zu Stärke. Über Looop finden sie nach dem Prinzip der Circular Economy eine neue Verwendung.
Nach der Präsentation folgte ein Rundgang über das Gelände, bei dem die Gäste spannende Einblicke in die Logistik- und Laborprozesse erhielten. „Unser eigenes Labor macht viele Abläufe deutlich schneller“, erklärt Paul Slits, Miteigentümer der Looop Company. „Hier können wir einige Inhaltsstoffe der gelieferten Ware direkt analysieren. Dabei gibt es immer drei Proben, eine für den Anlieferer selbst, eine für den Kunden und eine für uns. Über ein externes Labor würden wir zwei Wochen auf die Ergebnisse warten.“ Nachhaltigkeit spielt bei Looop aber nicht nur bei den Produkten eine zentrale Rolle – der gesamte Standort ist dank Solarpaneelen energieneutral.
Heimtierfutter stark von Trends abhängig
Ein weiterer Programmpunkt war der Vortrag von Dr. Stefan Mandel. Er ist Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Tiernahrungsherstellers Mera aus Kevelaer – einem Mitgliedsunternehmen von Agrobusiness Niederrhein. Das Familienunternehmen in dritter Generation, startete 1949 mit Nutztierfutter und produziert seit 1979 Heimtierfutter. Mit 260 Mitarbeitenden und einer Jahresproduktion von rund 90.000 t Trockenfutter gehört Mera zu den größeren Herstellern – mit der Produktsparte „Hundekekse“ sogar zu den größten „Hundebäckern“ Europas.
Dr. Stefan Mandel, Tierernährungsexperte mit Ursprung in der Landwirtschaft, gab spannende Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Heimtierfütterung mit Restströmen. Während in der Nutztierhaltung Leistung und Effizienz im Vordergrund stehen, ist die Heimtierfütterung stark von Trends der Humanernährung beeinflusst. „Viele Tierbesitzer wünschen sich einen möglichst hohen Fleischanteil und ein getreidefreies Futter. Außerdem sind teilweise Zutaten gefragt die aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht immer sinnvoll sind“, so Mandel.
„Alle wollen nur das Beste für ihre Tiere, das ist ja verständlich, doch viele verwechseln das Wort Reststrom mit Abfall. Dem ist nicht so, die Lebensmittelreste, die wir für die Tierfutterproduktion gewinnen, sind wertvolle Ressourcen! Außerdem erfüllen unsere Produkte die Lebensmittelstandards und sind sogar entsprechend zertifiziert.“ Die Nutzung von Restströmen ist nicht nur nachhaltig und regional, sondern bietet auch ein hohes Innovationspotenzial – vorausgesetzt, sie wird gut erklärt.
Mera verarbeitet jährlich 5.000 bis 6.000 t Kartoffelprodukte, die unter anderem von Looop stammen. Auch hier zeigt sich, wie durch Aktivitäten im Rahmen von Interreg-Projekten wie Agropole Innovates neue Partnerschaften entstehen: Mera und Looop lernten sich auf einer Veranstaltung von Agrobusiness Niederrhein kennen – ein gelungenes Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Auch das Insektenprotein, das Mera in einigen Produkten verwendet, stammt aus den Niederlanden von einem Unternehmen, das wiederum die Futtermittel von Looop bezieht.

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