
Zufriedenstellende Bilanz
Im Rahmen der offiziellen Eröffnung der heimischen Frischgemüse-Saison stellte die Pfalmarkt eG gestern ihre aktuelle Bilanz vor und übte scharfe Kritik an den politischen Rahmenbedingungen für den Gemüsebau.
von Red/Pfalzmarkt erschienen am 29.04.2026Analog zum Vorjahr wurden 2025 über die Handelsplattform bei Pfalzmarkt eG 230.000 t Obst und Gemüse vermarktet. Aufgrund der – für den heimischen Obst- und Gemüseanbau unbefriedigenden Erzeugerpreise im vergangenen Jahr – fiel der Umsatz der Pfalzmarkt-Gruppe mit 300 Mio. Euro deutlich niedriger aus als im Zeitraum davor (2024: 322 Mio. Euro). Die Beschäftigtenanzahl bei Pfalzmarkt eG ist mit 230 gegenüber 205 im Jahr 2024 gestiegen. Die Anzahl der Pfalzmarkt-Erzeuger hingegen hat sich von 90 auf 80 reduziert.
Pfalzmarkt-Vorstand Hans-Jörg Friedrich: „Während unsere Genossenschaft mit 100 Frischeprodukten über die Saison und beispielsweise dem Dienstleistungsgeschäft breiter aufgestellt ist, war die Jahresbilanz vieler Erzeugerbetriebe desaströs. Extreme Kostensteigerungen beim Mindestlohn und den Betriebsmitteln einerseits , bei – im besten Fall – konstanten Erzeugerpreisen andererseits führten durchweg zu Betriebsverlusten. So ein Jahr darf sich nicht wiederholen!“ Die zentrale Forderung lautet daher: „Die Politik muss jetzt endlich Farbe bekennen, ob Versorgungssicherheit mit frischem Obst und Gemüse wirklich ein Thema ist!“
Als einer der Marktführer für in Deutschland angebautes Obst und Gemüse formuliert das Führungsteam bei Pfalzmarkt eG deswegen jetzt zentrale Forderungen: „Die Politik entzieht uns und unseren Mitgliedsbetrieben seit Jahren Kapital, das wir für die Landwirtschaft 4.0 benötigen! Die Politik muss jetzt endlich Farbe bekennen, ob Versorgungssicherheit mit frischem Obst und Gemüse wirklich ein Thema ist! Wenn wir den heimischen Anbau von Obst und Gemüse in Deutschland – als Garant für Topfrische und Versorgungssicherheit mit extrem kurzen Wegen vom Feld über den PoS zum bundesweiten Verbraucher – erhalten wollen, muss jetzt gehandelt werden!“
Politik macht heimischen Anbau teurer
Im Hinblick auf die Qualität, Frische und Versorgungssicherheit müsste man deutsches Obst und Gemüse besonders wertschätzen und den heimischen Anbau unterstützen und fördern. Politisch geschehe seit Jahren genau das Gegenteil. Ein aktuelles Beispiel sei die gesetzlich verordnete Anhebung des Mindestlohns zum 1. Januar 2026 von 12,82 Euro auf 13,90 Euro. Dieser gilt ausnahmslos auch für Saisonarbeitskräfte aus dem europäischen Ausland, die nur wenige Wochen im Jahr in Deutschland arbeiten und deswegen ihren Lohn brutto für netto erhalten. Hinzu kämen Überregulierung und Dokumentationspflichten, die die ungleichen Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU zuungunsten des mittelständischen Obst- und Gemüsebaus in der Pfalz weiter verschärfen, so die Pfalzmarkt in einer Presseinformation.
Christian Deyerling, Aufsichtsratsvorsitzender bei Pfalzmarkt eG fragt: „Welche Branche verkraftet Lohnsteigerungen von rund 50 % in fünf Jahren? Für die Autoindustrie, Chemie oder den Maschinenbau hätte es Krisengipfel und Konjunkturprogramme gegeben! Dem Obst- und Gemüsebau mutet man das zu. Offenbar sind gesunde Ernährung und der heimische Anbau als Konkurrent und Preisregulativ nicht wichtig genug. Wenn die Politik nicht schnell ins Handeln kommt, wird Deutschland hier genauso abhängig von Importen und krisenanfälligen Lieferketten, wie das jetzt bereits bei Öl und Gas der Fall ist. Über höhere Preise muss sich dann auch kein Entscheider mehr wundern!“
Digitalisierung schreitet voran
Bereits heute wird vielerorts im Gemüsegarten Pfalz auf Robotik- und KI-Lösungen gesetzt, um den Faktor Mensch und harte Arbeiten auf dem Feld in den kommenden Jahren schrittweise zu reduzieren. Beispielsweise setzt Pfalzmarkt eG seit vergangenem Jahr im Verbund mit dem Beregnungsverband Vorderpfalz smarte Feldsensoren ein, die nicht allein die Bodenfeuchtigkeit in bis zu 40 cm Tiefe messen, sondern mittels KI-Steuerung auch Echtzeit-Daten zum digitalen Ernteschutz liefern können.
Der Einsatz von Drohnen, Smart-Precision-Sprayern für den selektiven Pflanzenschutz im konventionellen und Bio-Anbau, die Nutzung von hocheffizienten In-Row-Hacken oder Laser-Weedern zur Unkrautbekämpfung, selbstfahrende Systeme oder digitale Spaten zur Echtzeit-Bodenanalyse sind längst Realität und keine Zukunftsutopie. Hans-Jörg Friedrich: „Wir haben Lösungen für den Obst- und Gemüseanbau 4.0. Um diese High-Tech-Anwendungen praxistauglich nutzen zu können, ist es erforderlich, Schnittstellen und unterschiedliche Datenquellen effizient zu vernetzen. Hier brauchen wir zusätzliche Entwicklung, mehr Kapital, das derzeit nicht zur Verfügung steht, und schlussendlich auch einen Rahmen, um die neuen Technologien effizient testen zu können!“
Nachhaltigkeit bei der Pfalzmarkt eG
Die umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die die Pfalzmarkt eG – unter anderem – in den Feldern Obst- und Gemüseanbau, regenerative Energiegewinnung und Artenschutz verfolgt, legt wichtige Grundlagen für ein nachhaltig gesundes Wachstum. Hans-Jörg Friedrich, Vorstand bei Pfalzmarkt eG, sagt: „Im laufenden Jahr werden wir rund 2,5 Mio. Euro in eine smarte Batteriespeicher-Lösung investieren, die es uns künftig erlaubt, den Sonnenstrom unserer 15.000 m2 großen Aufdach-PV-Anlage auf der Halle 4 noch effizienter – also vorwiegend nachts und in Schlechtwetterphasen – zu nutzen.“




Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.