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Interview mit Hans-Jürgen Meßmer

Kartoffelanbau vor großen Herausforderungen

Hans-Jürgen Meßmer ist einer der großen Spezialisten, wenn es um den Anbau von Kartoffeln geht. Er arbeitet am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Außenstelle Donauwörth. 

Im Interview geht er auf zahlreiche zusätzliche Details ein, die über die Information im gedruckten Beitrag in GEMÜSE, Ausgabe 12-2019 hinausgehen.

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»Gemüse«: Herr Meßmer, die vergangen zwei Jahre waren geprägt von extremer Witterung. Welche Auswirkungen haben solche Extreme auf Kartoffeln?

Hans-Jürgen Meßmer: Klimatische Extreme, so hat man den Eindruck, nehmen immer mehr zu bzw. sind in engeren Abständen zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr war der Mai noch der wärmste; in 2019 einer der kältesten seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Durch die lange kalte Phase im Mai 2019 waren bei manchen Schlägen die Bestände aufgehellt. Der April 2018 war mit + 4,8 °C der wärmste April seit den Aufzeichnungen. Dies führte dazu, dass Landwirte ihre Kartoffeln früher auspflanzten, was dann das Risiko birgt, dass, wie beispielsweise in 2017, die Spätfröste gebietsweise für erhebliche Schäden gesorgt haben. In 2019 kamen wir nochmals mit einem blauen Auge davon.

Starkniederschläge führten zu Abschwemmungen der Dämme, was wiederum bedeutet, dass der Anteil an grünen Knollen enorm zugenommen hat. Verschlämmte Dammflanken sind ebenfalls die Folge, was zu wachstumshemmenden Faktoren führt und durch den zusätzlichen Stress Schorf und Rhizoctonia und vor allem das DryCore-Symptom fördert. Bei nass-kalter Witterung ist die Infektionsgefahr deutlich erhöht. Aber auch bei sehr hohen Dammtemperaturen (>20°C) und gleichzeitig trockener Witterung sind die Bedingungen für eine Infektion gegeben.Da es im Herbst 2018 zu trocken war, konnte man im Folgejahr öfters als in der Vergangenheit unverrottes bzw. nicht vollständig verrottetes organisches Material vorfinden. Diese Reste sind als ideale Infektionsquelle für Rhizoctonia solani anzusehen.

»Gemüse«: Prognostiziert werden vermehrt höhere Temperaturen im Frühjahr und milde Winter mit mehr Regenfällen. Welche Folgen kann das für den Kartoffelanbau haben?

Hans-Jürgen Meßmer: Frühsommertemperaturen bedeuten enormen Stress v.a. unter Vlies oder Folie! Auch die hochsommerlichen Temperaturen während der Vegetation führen zu einer verfrühten Ernte, was die Lagerhaltung erschwert. Die sehr hohen Dammtemperaturen haben bei einigen Sorten bereits im Damm die Keimruhe gebrochen. Besonders betroffen sind Bestände mit schwacher Laubentwicklung, da dort eine geringe Beschattung der Dämme war. In Verbindung mit starken Schwankungen im Wasserangebot während des Knollenwachstums, kann es zu Ernährungsstörungen, z.B. Calciummangel, kommen. Dies führt zur physiologischen Eisenfleckigkeit. Zu beachten ist, dass es enorme Sortenunter-schiede gegenüber der Anfälligkeit gibt. Auch die Gefahr von Gefäßbündelverbräunun-gen/Nabelendnekrosen durch Trockenstress und hohen Bodentemperaturen nimmt deutlich zu. Aufgrund der Stressbewältigung (Trockenstress) wiesen in unseren Versuchen in der Variante „natürliche Abreife“ bei der Sorte Granola über 50 % der Knollen Gefäßbündelverbräunungen auf.

Die Pflanze benötigt durch die hohen Temperaturen mehr Energie zum Eigenerhalt. Ein weiteres Wachstum ist während solcher Phasen  also nicht mehr  möglich. Die Dämme können sehr stark erhitzt werden (je nach Krautzustand bis zu 40-50 °C). Das größere Problem ist die Verschlechterung der Lagereignung bei anhaltend hohen Bodentemperaturen Hohe Bodentemperaturen und Trockenheit beschleunigen die Alterung. Im Extremfall kann die Keimruhe nach dem trockenheißen Sommer zur Ernte bereits aufgehoben sein bzw. die Kollen im Lager viel schneller keimen. Knollen, die mindestens drei bis vier Tage bei 25 °C oder mehr im Damm „kochen“, wachsen durch und neigen zur Kindel- und Kettenwuchsbildung.

Bei stark fortgeschrittener Alterung kann in bestimmten Fällen im Folgejahr beim Pflanzgut das Phänomen der Knöllchensucht auftreten, bei dem die Kartoffeln nicht auflaufen, sondern an der Mutterknolle nur kleine Knöllchen ausgebildet werden. Aufgrund der Trockenheit werden die Dämme rissig. Rissige Dämme bedeuten viele grüne Knollen, die nicht vermarktungsfähig sind. Höhere Beschädigungsempfindlichkeit bei der Ernte (geringerer Turgordruck). Bei sehr starken Schwankungen in der Wasser- und Nährstoffversorgung (durch Trockenheit) reagieren manche Sorten sehr stark auf Verformungen durch eine verstärkte Ausprägung von Wachstumssymptomen wie z.B. Zweitwachstum, Kettenwuchs- und Zwiewuchs und ein vermehrtes Auftreten von Wachstumsrissen

Die letzten milden Winter haben die Probleme mit Durchwuchskartoffeln verschärft. Der Besatz kann sehr unterschiedlich sein. Je nach Situation beträgt er bis zu 40.000 Knollen pro Hektar. Er schaukelt sich mitunter auch von Jahr zu Jahr hoch, wenn es z.B. versäumt wurde, den Durchwuchs in Getreide zu bekämpfen.  Der Durchwuchs ist grundsätzlich für alle Kartoffel anbauenden Betriebe ein Problem. Die größten Sorgen haben aber die Kartoffelvermehrer.

Relativ einfach ist der Durchwuchs in Mais (auch zwischenzeitlich im Vermehrungsmais) zu bekämpfen. Schwieriger ist die Bekämpfung in Getreide. Nur wenige Getreideherbizide (z.B. Ariane C) haben eine befriedigende Wirkung gegen Durchwuchskartoffeln. Bei der Behandlung sollten die Kartoffeln mind.10-15 cm groß sein und je wärmer es ist, umso besser auch der Erfolg. Problematisch wird es, wenn die Durchwuchskartoffeln bereits schon kleine Knollen angesetzt haben.

Meiner Meinung nach muss im Getreide konsequent durch unterschiedliche Bodenbear-beitungsmaßnahmen als auch durch Herbizideinsatz vorgegangen werden. Wird in Getreide versäumt, die Durchwuchskartoffeln konsequent zu bekämpfen, schaukeln sich die Probleme im folgenden Jahr weiter auf, vor allem, wenn dann Zuckerrüben oder Kartoffeln in enger Fruchtfolge angebaut werden. Auch nach Kartoffeln spielt die Bodenbearbeitungsmaßnahme eine sehr große Rolle. Ein Pflugeinsatz verschärft zusätzlich die Probleme. Eine flache Bodenbearbeitung mit Grubber ist am effektivsten!

»Gemüse«: Die Situation im Bereich Pflanzenschutz ist angespannt. Auf welche (neuen) Schädlinge müssen sich die Betriebe einstellen und welche Mittel stehen Anbauern in den kommenden Jahren überhaupt noch zur Verfügung?

Hans-Jürgen Meßmer: Das Anwendungsverbot von Monceren G zur Beizung gegen Rhizoctonia als auch zur Schädlingsbekämpfung (Blattläuse, Kartoffelkäfer, Nebenwirkung auf Drahtwürmer) erfordert bei vielen Betrieben ein komplettes Umdenken bei der Kartoffelkäfer- und Blattlausbekämpfung. Über die Beizung des Wirkstoffs Imidacloprid  war eine weitere Bekämpfungsmaßnahme des Kartoffelkäfers und der Blattläuse in der Vegetationsperiode i.d.R. nicht mehr notwendig. Vor allem in den Hauptanbaugebieten müssen sich nun die Kartoffelproduzenten wieder intensiver mit Schadschwellen,  Mittelauswahl und vor allem mit dem Behandlungszeitpunkt näher auseinandersetzen. Verstärkte Kontrollen sind nicht nur auf Kartoffelkäfer sondern auch auf Kartoffelblattläuse durchzuführen.

Auch im ökologischen Kartoffelanbau wird es mit dem Wegfall des Produktes Novodor FC bei der Kartoffelkäferbekämpfung nicht einfacher. Die EU-Genehmigung des Wirkstoffs Bacillus thuringiensis subspecies tenebrionis endete am 30. April 2019 durch Zeitablauf. Mit NeemAzal gibt es für Biokartoffeln noch ein einziges Mittel, das aber nur bis 25 Grad gut Wirkungsgrade aufweist.

Drahtwürmer sind in der konventionellen und biologischen Erzeugung gleichermaßen ein ungelöstes Problem bei trockenem Boden.

Knollenschäden durch starken Schneckenfraß führten in den vergangenen Jahren zum Teil ebenfalls zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten. Direkte Bekämpfungsmaßnahmen mit Schneckenkornpräparaten in Kartoffeln führen nicht immer zum gewünschten Erfolg. Daher sollten Schnecken primär vorbeugend durch produktionstechnische Maßnahmen und über die Fruchtfolge bekämpft werden. Auf Schlägen mit hohem Schneckenbesatz kann der Vermehrung auch durch eine intensive Bodenbearbeitung in Verbindung mit zusätzlichem Einsatz von Schneckenkornpräparaten bereits in der Vorfrucht Einhalt geboten werden. Wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, ist bei akutem Schneckenbefall ein sofortiges Roden notwendig. Denn nur dadurch kann eine Schadensbegrenzung erreicht werden. Aus diesem Grund sind rechtzeitige Bestandskontrollen spätestens mit beginnender Abreife unerlässlich.

Der Wegfall des Wirkstoffs Deiquat (z.B. Reglone) ab 2020 bereitet den kartoffelanbauenden Betrieben aus gutem Grund Kopfzerbrechen. Im Kartoffelanbau bleiben beim Wegfall von Reglone die Reduzierung der Stickstoffdüngung und die Sortenwahl zukünftige Instrumente der Abreiferegulierung.

Auch bei der Lagerhaltung stehen die Kartoffelanbauern vor großen Herausforderungen.

Die Zulassung für den alt bewährten keimhemmenden Wirkstoff Chlorpropham wird nicht mehr verlängert. Ohne den Einsatz von Keimhemmungsmitteln ist eine Langzeitlagerung von Kartoffeln nur bedingt möglich. Hier wird zukünftig u.a. auch die Auswahl der Sorten  eine mitentscheidende Rolle spielen.

Ein derart massives Auftreten von Blattläusen wie 2019 habe ich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren noch nicht erlebt. Die explosionsartige Vermehrung der Vektoren fördert das Auftreten des Y-NTN-Virus, das in den Knollen befallener Kartoffelpflanzen unschöne Ringnekrosen hinterlässt, die Ware unverkäuflich machen. Neben dem Einsatz von Insektiziden kommt es hier vor allem darauf an, rechtzeitig das Kartoffelkraut zu entfernen, damit die Viren nicht mit dem Saftstrom in die Knollen kommen.

Die Auswahl der Wirkstoffe zur Blattlausbekämpfung ist leider zukünftig sehr begrenzt. D.h. dass ein aktives Resistenzmanagement ist eigentlich nicht mehr möglich und mit den Jahren wird somit das Problem Insektizidresistenz deutlich zunehmen.

Regional gibt es aber auch einzelne Beobachtungen zu Junikäfern, Spinnmilben und Erdraupen (Wintersaatäule). Auch eine Zunahme des Kartoffelkäfers (zweite Generation in 2019) und Zikaden sind die Folge des Klimawandels. Insgesamt nehmen die Unsicherheiten und damit die Fragen zu.

Infolge des Klimawandels erwarten wir, dass Extrem-Wetter-Ereignisse mit oftmals hohen Niederschlägen zunehmen werden, sodass die Felder anschließend längerer Zeit nicht befahrbar sind. Daher werden Regenfestigkeit und Wirkungsdauer der Produkte zunehmend wichtiger.

Die beiden zurückliegenden Jahre verliefen hinsichtlich der Krautfäule, der wichtigsten Krankheit im Kartoffelbau, weit weniger dramatisch, als es in 2016 der Fall war. Andere Pilzkrankheiten, wie z.B. die Alternaria ssp. waren das größere Problem in 2018 und 2019. Die Dürrfleckenkrankheit, verursacht durch die Erreger Alternaria alternata oder Alternaria solani, kann die Pflanze bereits sehr früh in der Wachstumsphase befallen. Stark befallsfördernd wirken physiologische Stresssituationen. An den Knollen erzeugt Alternaria eine typische Trockenfäule, die als Hartfäule bezeichnet wird. Das befallene Gewebe an den Knollen ist exakt scharf abgegrenzt zum gesunden Knollengewebe. Wie bereits erwähnt, erwarten wir bei den extremen Witterungsbedingungen eine weitere Zunahme bei Alternaria.

Die wechselhafte Witterung in 2019 bot u.a. auch optimale Bedingungen für den Botrytis-Grauschimmelerreger. Die Botrytis-Blattflecken beginnen oft von der Blattspitze aus und sind häufig von einem gelben Hof umgeben. Bei sichtbarem Befall ist auf der Blattunterseite ein dunkelgrauer Pilzrasen zu erkennen. Nach unseren Versuchserfahrungen kann nur mit Fluazinamhaltigen-Produkten wie z.B. Shirlan, Carneol etc. die Krankheit gehemmt werden.

Bedingt durch die extremen Witterungsbedingungen in den letzten  beiden Jahren wurde auch besonders die Colletotrichum-Welke gefördert. Verursacher der Welkekrankheit ist der bodenbürtiger Pilz Colletotrichum coccodes, der unter normalen Wachstumsbedin-gungen nur bei alternden Pflanzen in Erscheinung tritt und deshalb auch kaum Schäden verursacht. Bis zu 8 Jahren kann der Pilz in Form von kleinen Sklerotien (schwarze, kugelige Dauerformen) im Boden überdauern. Während der Vegetation vergilben die unteren Blätter, die Blattränder rollen sich nach oben und vertrocknen. Die Stängel und Blattstiele bleiben noch lange grün, später werden sie braun und verfaulen ebenfalls. In der Praxis wird diese Krankheit mit einer „zu frühen“ natürlichen Abreife verwechselt.

»Gemüse«: Wie können die Erzeuger auf diese Herausforderungen reagieren?

Hans-Jürgen Meßmer: Die extremen Witterungsbedingungen mit starken Temperatur- und Niederschlagsschwankungen zeigen uns, dass der Erfolg landwirtschaftlichen Handelns im starken Maße von der Natur beeinflusst wird. Umso wichtiger ist da das richtige Wassermanagement. Ein vorbeugender Wasserschutz beginnt bereits mit einer Fruchtfolgegestaltung, die bei der Vorfruchtauswahl ein höheres Risiko von Bodenverdichtungen bei der Ernte unter feuchteren Bodenbedingungen minimiert. Darauf aufbauend ist auch bei der Boden- und Pflanzbettbereitung zu Kartoffeln auf eine Vermeidung von Bodenverdichtungen zu achten.

Auch die Zwiewuchsproblematik spielt dabei eine Rolle. Regelmäßige Kontrollen des Knollenwachstums sind deshalb angesagt! Denn die Gefahr von Zwiewuchs an der Knolle steigt, wenn auf sehr warme Perioden mit Tagestemperaturen von über 28 °C (in denen das Knollenwachstum zum Stillstand gekommen ist!) und feuchteres Wetter folgt. Dies kann auch durch falsche Beregnungsmaßnahmen während einer Trockenperiode ausgelöst werden. Kettenwuchs wird durch hohe Bodentemperaturen im Boden gefördert. Je nach Entwicklungsstand kann Zwie- oder Kettenwuchs zu ernsten Qualitätsproblemen führen. Denn bei erneut einsetzendem Wachstum der Knollen bilden sich am Kronenende Auswüchse in Form kleiner Knöllchen oder das Kronenende beginnt wieder zu wachsen. Auch Im Bereich Ernte und Lager werden sich die Betriebe umstellen müssen. Eine vorgezogene Ernte stellt bezüglich der Dauerlagerung höhere Ansprüche, denn eine gleichbleibende Produkttemperatur ist nur über Kühllager mit maschineller Kühlung möglich.

»Gemüse«: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Sortenwahl?

Hans-Jürgen Meßmer: Die Sortenwahl spielt zunehmend eine größere Rolle. Der Einfluss einer Sorte zur Erzeugung von Kartoffeln mit guter Qualität ist zum größten Teil abhängig von der Sortenwahl.

»Gemüse«: Welche Sorten empfehlen Sie?

Hans-Jürgen Meßmer: Jedes Jahr stimmt das LTZ zusammen mit den VO-Firmen, den Beratungsdiensten Heilbronn und Bioland ein Empfehlungssortiment für das Land Baden-Württemberg ab. Bei der Entscheidung fließen in erster Linie die 3-jährigen LSV-Ergebnisse (konv. Versuchsstandorte Bönnigheim, Feldkirch, Donaueschingen und biolog. Versuchsstandorte Forchheim a.K. und DS-Aufen) mit ein. Zusätzlich wird eine Liste mit neuen und interes-santen Sorten erstellt. Die Dokumente können jederzeit auf unserer Homepage abgerufen werden. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedener Krankheiten sowie die Trockenstresstoleranz, aber auch Krautentwicklung, Abreifeverhalten, Knollenoptik, Speisewert und Lagereignung. Hinsichtlich der DüV (rote Gebiete) sollten vorrangig Sorten angebaut werden, welche wenig Stickstoff benötigen. Sorten mit starker Laubentwicklung anbauen (Beschattung der Dämme). Auf Trockenstress reagieren die Sorten sehr unterschiedlich, so dass gerade auf nicht beregnungsfähigen Standorten eine hohe Trockentoleranz ein zunehmend wichtiges Sortenwahlkriterium ist.

»Gemüse«: Sie sprachen den Trockenstress an. Welche Rolle kommt der Bewässerung im Kartoffelanbau zu?

Hans-Jürgen Meßmer: Infolge der Zunahme von Trockenperioden, ungleichmäßigerer Niederschlagsverteilung und mehr heißen Sommertragen wird die Bedeutung der Bewässerung für den Kartoffelanbau zunehmen. Kartoffeln reagieren auf Wassermangel nicht nur mit Mindererträgen, sondern auch mit Qualitätseinbußen. Die Kartoffel benötigt nicht nur zur Keimung, sondern bereits ab dem Stadium der Knollenbildung bis zur Abreife eine gute Wasserversorgung. Bei ihrer Beregnung wird empfohlen, die nutzbare Feldkapazität von 50 % wieder auf 80 % aufzufüllen. Für ein optimales Wachstum benötigt die Kartoffel über die Vegetation verteilt ca. 300 mm Wasser. Wenn die Böden zum Zeitpunkt des Knollenansatzes zu wenig Wasser enthalten, reduziert sich die Anzahl der Knollen je Pflanze. Dies kann zur Folge haben, dass die wenigen Knollen zu dick werden und dann als Salatkartoffeln nicht mehr geeignet sind. Ei-ne weitere Gefahr ist die Ausbreitung von Kartoffelschorf.

In der Hauptwachstumsphase kann ein Wassermangel auch zur Ausbreitung von Schwächepilzen wie Colletotrichum-Welkekrankheit führen. Bei stärkerem Befall stirbt das Kartoffekraut vorzeitig ab und die Ertragsbildung und stark eingeschränkt. An der Knolle sind dann graubraune Läsionen mit unregelmäßigem Rand und schwarzen Fruchtkörpern zu sehen.

 

 

 

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