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Boden des Jahres 2026

Archivboden – Natur- und Kulturgedächtnis unserer Landschaft

Bereits am 5. Dezember 2025 wurde der Archivboden in einer Festveranstaltung in der Hessischen Landesvertretung in Berlin zum Boden des Jahres 2026 gekürt.

von GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung erschienen am 02.01.2026
© Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft
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Unsere heimischen Böden verdanken ihre Leistungsfähigkeit einer über Jahrtausende andauernden Entwicklung. In dieser langen Zeitspanne haben sie nicht nur ihre heutigen Eigenschaften ausgebildet, sondern auch unzählige Spuren der Natur- und Kulturgeschichte bewahrt. Damit ist jeder Boden zugleich ein wertvolles Archiv. Einige Böden zeigen die Archivfunktion jedoch in besonderer Weise. Beispiele sind:

  • Ferralitböden im westlichen Vogelsberg (ehemaliger Bauxit-Abbau „Eiserne Hose“ bei Lich), die aus verwittertem Basalt entstanden und von subtropischen Klimabedingungen im Neogen (vor etwa 15 Millionen Jahren) zeugen,
  • Kohlenmeilerböden, Relikte der historischen Köhlerei (Verschwelung von Holz zu Holzkohle),
  • Moorböden, die durch ihren Torfaufwuchs Umwelt- und Klimaveränderungen dokumentieren,
  • sowie Lössböden, die an die späteiszeitliche Schluffablagerung aus großen Flusstälern erinnern.

Solche Böden machen sichtbar, wie eng Naturprozesse und menschliche Geschichte miteinander verflochten sind. Zugleich verdeutlichen sie die Schnittstelle zwischen Bodenkunde und Archäologie: Zahlreiche archäologische Funde sind nur dank ihrer Erhaltung im Boden überliefert.

Als Archivboden werden Böden bezeichnet, die in besonderer Weise natur- und kulturgeschichtliche Prozesse bewahren. Sie enthalten Spuren früherer Klimaphasen, Landschaftsentwicklungen, menschlicher Nutzung oder technischer Eingriffe. Das Land Hessen thematisiert in diesem Sinne als Archivböden neben Lössböden, Kohlenmeilerböden und Moorböden zum Beispiel auch bauxithaltige Ferralite (Roterden) aus einer früheren subtropischen Bodenbildungsphase der Erdgeschichte.

Hinter der Aktion „Boden des Jahres“ steht das gleichnamige Kuratorium – ein seit 2004 bestehendes Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG), des Bundesverbands Boden (BVB) und des Ingenieurtechnischen Verbands für Altlastenmanagement und Flächenrecycling (ITVA), das vom Umweltbundesamt unterstützt wird. Das Kuratorium koordiniert seit über 20 Jahren die Auswahl des jeweiligen Jahresbodens und leistet kontinuierliche fachliche und kommunikative Arbeit, um die zentrale Bedeutung der Böden für Natur und Umwelt in die Öffentlichkeit zu tragen.

Schirmherr 2026 ist der Hessische Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, Ingmar Jung.

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